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Saisonales Obst und Gemüse haben in der Schweiz verborgene Kräfte | Beitrag von Anne Challandes auf Watson 14.09.2025

Was gibt es Besseres, als sich mit Beginn des Herbstes daran zu erinnern, dass man in der Schweiz mit einem einfachen Einkaufskorb mehr bewirken kann als mit einem Stimmzettel? Hier erfahren Sie, welche verborgenen Kräfte in saisonalem Obst und Gemüse stecken.

bild: sblv / Keystone, montage watson

Als ich mit dem Verfassen dieser neuen Kolumne beginne, wird mir bewusst, dass die letzte schon mit dem Hinweis auf einen Jahreszeitenwechsel begann:

«Der Frühling ist endlich da!»

Es ist kein Zufall, dass mir die verschiedenen Jahreszeiten als Orientierung und Ausgangspunkt dienen, da sie die Landwirtschaft und ihre Aktivitäten massgeblich prägen. Es ist also auch kein Zufall, dass ich mich an diesem Sonntag mit den Themen Saisonalität und saisonale Ernährung befasse.

Erdbeeren zum Beispiel wachsen in der Schweiz nicht im Februar. Um den köstlich süssen Geschmack dieser zarten roten Früchte aus lokaler Produktion zu geniessen, muss man geduldig sein und mindestens bis Mitte April oder sogar bis Mai warten. Doch weshalb findet man in manchen Regalen fast das ganze Jahr über Erdbeeren, ohne Rücksicht auf die Entfernung zu ihrem Produktionsort oder die Auswirkungen, die ihr Transport mit sich bringt?

Das Prinzip der Saisonalität scheint in diesem Fall ausser Acht gelassen zu werden, um Platz für irgendein angeblich begründetes kommerzielles Ziel zu machen.

«Übrigens: Es ist September – und ich habe bereits die ersten Lebkuchen gesehen.»

Ein vielfältiges und attraktives Angebot

Durch den Zauber der Jahreszeiten variieren die lokalen Produkte im Laufe des Jahres unweigerlich und sie bringen so einen gewissen Rhythmus auf unsere Teller. Da der Sommer nun zu Ende geht, müssen wir also auch unsere Ernährung in Bezug auf Obst und Gemüse entsprechend anpassen.

Man muss sich damit abfinden, dass man sich vom Auberginenkaviar als Aperitif-Beilage und vom Gurkensalat als Beilage zu Gegrilltem verabschieden muss, und sollte stattdessen Obst und Gemüse der Herbstsaison, Wurzel- und Lagergemüse willkommen heissen.

Keine Sorge! Mit Fantasie, Kreativität und den passenden Rezepten begeistern die Menüs für Herbst und Winter nicht nur durch ihre Vielfalt, sondern auch durch ihre wärmenden und nährenden Qualitäten.

Wie und warum saisonal konsumieren?

Wenn Sie bei der Frage, was bei uns Saison hat oder nicht, ins Stocken geraten, zögern Sie nicht, den Saisonkalender von «Schweizer Bäuerinnen und Bauern» zu konsultieren! Der Konsum von lokal produzierten Lebensmitteln bringt zahlreiche Vorteile mit sich und erscheint mir letztlich viel nachhaltiger, als man vielleicht denken würde.

Erstens reduziert die Nähe die Transportwege und damit deren Auswirkungen auf die Umwelt. Zweitens garantieren die in der Schweiz festgelegten und kontrollierten Produktionsbedingungen für alle Produktionsarten hohe Standards, unter anderem in Bezug auf Qualität, Nutzung und Schonung der natürlichen Ressourcen oder das Tierwohl. Ausserdem ist die Chance grösser, die Produzentin oder den Produzenten persönlich zu kennen und zu wissen, wie sie oder er arbeitet.

Schliesslich trägt der Kauf von regionalen Produkten zur Gesundheit der lokalen Wirtschaft bei. Je kürzer die Lieferkette ist, desto fairer ist der Anteil der Marge, der an die Produzentinnen und Produzenten zurückgeht – und desto mehr davon bleibt in der Region. Ausserdem wirkt sich die Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen in der Produktion positiv auf die sozialen Bedingungen der Menschen aus, die in der Landwirtschaft leben und arbeiten – sowohl die der internen als auch die der externen Arbeitskräfte.

Einkäufe, ein besserer Stimmzettel

Man sieht: Unsere Konsumentscheidungen haben direkte Auswirkungen auf die Produktion. Unsere Einkaufsliste und unser Verhalten im Geschäft beeinflussen auch die gesamte Wertschöpfungskette – einschliesslich der Zwischenschritte wie Verarbeitung und Handel.

Sie betreffen zudem alle drei Aspekte der Nachhaltigkeit: den Umweltaspekt, den ökonomischen Aspekt und den sozialen Aspekt, wie weiter oben erwähnt. Ganz konkret kann man seine Überzeugungen und Meinungen also durch die Zusammensetzung seines Einkaufskorbs ausdrücken – viel wirkungsvoller und unmittelbarer als durch das Einwerfen eines Stimmzettels an einem Sonntagmorgen.

Dasselbe gilt für Bio-Produkte, die nach besonderen Standards hergestellt werden, die manche gerne allgemein einführen würden. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat kürzlich Statistiken aus der Marktanalyse veröffentlicht.

Das Jahr 2024 zeichnet sich durch eine Stagnation des Bio-Umsatzes bei 11,55 % des Gesamtumsatzes aus. Der Preis der Lebensmittel allein reicht jedoch nicht aus, um zu erklären, warum keine stärkere positive Entwicklung zu verzeichnen ist. Tatsächlich ist der Anteil des Haushaltsbudgets, den die Schweizer Familien für Lebensmittel ausgeben, im Vergleich zu den meisten Nachbarländern gering. Da Schweizer Familien weniger als 7 % ihres Haushaltsbudgets für Lebensmittel ausgeben und weniger als 12 % des Marktes auf den Kauf von Bio-Produkten entfallen, besteht noch ein enormes Wachstumspotenzial auf der Nachfrageseite.

Es muss hier betont werden, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt und dass die Schweizer Bauernfamilien bereit sind, einer Entwicklung zu folgen, die sich konkret in den Konsumentscheidungen widerspiegelt und mit einer fairen Bezahlung einhergeht.

Alles in allem …

… wird hier die untrennbare Verbindung zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung beleuchtet, die Beziehung zwischen der Produktion von Lebensmitteln und ihrem Konsum sowie die Rolle, die sie gleichermassen füreinander spielen.

Die derzeitige Ausarbeitung der künftigen Agrarpolitik PA2030+ im Rahmen eines Agrar- und Ernährungssystems, das vom Feld bis auf den Teller und von der Heugabel bis zur Gabel reicht, basiert auf denselben Grundsätzen. Gemeinsam können wir alle, sowohl individuell als auch kollektiv, unsere Rolle wahrnehmen und konkreten Einfluss ausüben, ohne zusätzliche Vorschriften.

Letztendlich können wir sowohl für eine nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung als auch im Bereich Klima und Klimawandel jeden Tag und schon heute handeln, um uns in die gewünschte Richtung zu bewegen – auch wenn es nur in kleinem Rahmen ist. Warum nicht gleich jetzt damit beginnen, indem wir lokale und saisonale Produkte essen?

Aktuelles


10.04.2026

Feierliche Eröffnung

Im Freilichtmuseum Ballenberg wurde am Freitag, 10. April 2026 im Rahmen des UNO-Jahres 2026 der Bäuerinnen und Landwirtinnen die Sonderausstellung «Frauen in der Landwirtschaft: gestern – heute – morgen» feierlich eröffnet.


02.04.2026

Osterdekoration

Der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) verfasst monatlich für die Schweizer Familie «Tipps & Tricks der Landfrauen».

In dieser Ausgabe der Schweizer Familie drehen sich alle Tipps & Tricks rund um die «Osterdeko»


15.03.2026

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Barbara Niederberger möchte mit ihrem Podcast „ausSicht der Bäuerinnen“ Schweizer Landwirtinnen und Bäuerinnen eine Stimme geben und sie sichtbarer machen. Sie behandelt in dem alle 14 Tage erscheinenden Format praxisnahe Themen mittels Interviews mit anderen Bäuerinnen oder Expertinnen. In dieser Podcast-Folge spricht sie mit Trudi Berchtold…


15.03.2026

Der Frühling lockt

Der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) verfasst monatlich für die Schweizer Familie «Tipps & Tricks der Landfrauen».

In dieser Ausgabe der Schweizer Familie drehen sich alle Tipps & Tricks den «Frühling».


30.03.2026

Frauen stärken heisst Landwirtschaft stärken

Anne Challandes, Präsidentin des SBLV, hat als Referentin zum Thema soziale Absicherung am Kreisbäuerinnen-Seminar des Bayerischen Bauernverbands am 24.03.2026 mitgewirkt. Sie stellte einen Meilenstein für die soziale Absicherung auf landwirtschaftlichen Betrieben vor: „Bei uns wird es ab 2027 einen persönlichen Sozialversicherungsschutz für mitarbeitende Partnerinnen und Partner geben, der Voraussetzung für den vollen Erhalt von Direktzahlungen ist.“


26.03.2026

Newsletter SBLV März 2026: Das neue Kochbuch kann jetzt bestellt werden!

Jetzt ist es da! ✨ Das neue Kochbuch „Landfrauen kochen – Aus 1 mach 5“ ist jetzt lieferbar.
Dies und weitere spannende Themen in unserem Newsletter.


10.03.2026

Kochbuch Lancierung «Landfrauen kochen: Aus 1 mach 5»

Medienmittelung: Die Kommission Ernährung und Hauswirtschaft des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes SBLV präsentiert gemeinsam mit dem LandLiebe Verlag ihr neues Kochbuch.


23.03.2026

Ein Kochbuch entsteht

Wirf einen Blick hinter die Kulissen.
Im Artikel von Rahel Brütsch im Schweizer Bauer vom 18.03.2026 erfährst du mehr über die Entstehung unseres Kochbuchs.


03.03.2026

News der Präsidentinnenkonferenz 2026-1

Heute hat die Präsidentinnenkonferenz des SBLV getagt. Hier lesen Sie die wichtigsten News.


19.02.2026

Buchvernissage

Giardina | 14.03.2026, 13.30-15.30 Uhr

Komm an unserer Buchvernissage an der Giardina vorbei und geniesse eine Köstlichkeit aus unserem neuen Kochbuch. Gemeinsam stossen wir an. Wir freuen uns auf deinen Besuch.


23.02.2026

Newsletter SBLV Februar 2026: Video-Portrait von Tabitha Hallauer

Im aktuellen Video-Portrait nimmt uns Tabitha mit in ihren Alltag und gib Einblick in ihr Leben als Winzerin.
Dies und weitere spannende Themen in unserem Newsletter.

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